Ahrathon 2015 – mein erster Halbmarathon

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Es ist kaum zu beschreiben, wie man sich fühlt, wenn man sich einer Herausforderung stellt. Zu sagen, ich mache das und mich für den Halbmarathon anzumelden, ist eine Sache. Ein ganz andere ist es dann, es auch durchzuziehen.

Am Samstag war es dann soweit. Ich sollte meinen ersten Halbmarathon laufen. Den Wecker auf 5:30 gestellt, begrüßt mich der Kölner Morgen mit Sonnenschein und Vogelgezwitscher. Ein Blick auf die am Vorabend zurechtgelegten Sachen sagt mir, dass ich an nichts anderes Denken muss, als an meine Beine, Mindset und den Rubinator abzuholen. Selbst das Frühstück behalte ich dieses mal drin.

Gut gecarboloadet (Nudeln bis zum Abwinken und eine Tafel Kinderschoki am Freitag) fahre ich los in die Südstadt und lade den Coach ein, der so sehr an mich glaubt, dass ich es fast selber mache. Ein Blick ins Regenradar zeigt uns, dass eine riesige Regenfront im Anmarsch ist. Nix Sonnenschein und Vogelgezwitscher in den Weinbergen, mault es in mir. Aber die Hoffnung stirbt ja zuletzt.

Wir kommen in Bad Neuenahr an und suchen uns die Startnummernausgabe. Vor lauter Nervosität entgeht mir die Komik bei der Frage nach „trocken oder halbtrocken“. Jetzt heißt es startklar machen, Chip und Startnummer befestigen. Dass ich Vaseline an diversen Körperteilen brauche, hätte ich allerdings gerne zu Hause gewusst. Aber warum soll der Coach nicht auch etwas Spaß haben.

Wir laufen uns warm und stehen auch schon in der Startaufstellung. Ich bin so angespannt, dass ich weder sprechen noch denken kann. Dass die GoPro dabei auf mich gerichtet ist, merke ich gar nicht und sehe erst später, wie das alles gewesen ist. HashtagRehImScheinwerferlicht. Die Aufregung steht mir regelrecht ins Gesicht geschrieben.

Der Startschuss fällt, Petrus fühlt sich angesprochen und macht die Schleusen auf. Es regnet Bindfäden und das soll auch die nächsten 2 Stunden so bleiben. Puls gecheckt und wir laufen los. Der Regen ist schnell vergessen und ich laufe steady und entspannt neben meiner lebenden Versorgungsstation.

Die ersten 5 km sind super. Ich bin gut im Tempo und freue mich. Dann der Berg. Gut, denke ich… Es muss ja irgendwann hoch in die Weinberge gehen, dann wird es geradeaus weiter gehen und irgendwann wohl wieder runter.

Ich stapfe also bergauf und mein Puls kommt ganz schön in Wallung. Macht mir aber nix, denn das war ja wie erwartet. 10 Minuten nach oben gekämpft und der Puls kommt schnell wieder runter. Der Regen hat mittlerweile meine Klamotten komplett durchdrungen und sorgt für angenehme Kühlung, wenn auch für bleischwere Schuhe und Socken.

Gerade richte ich mich auf ein gutes Tempo für die vermeintliche Strecke in der Geraden ein, da geht es schon wieder hoch. WTF??? Na gut, also noch mal hoch. Es regnet immer stärker. Meine Beine sind fit und stellen sich dem Berg. Oben angekommen wieder Erleichterung und Vorfreude auf die entspanntere Strecke. Entspannung und das heimliche Zeitziel sind mir an diesem Tag nicht vergönnt. Es geht noch weitere vier mal kernig bergauf!

Bei jedem Anstieg bekomme ich stummes Tourette und mir wird immer klarer, dass ich die Strecke total unterschätzt habe. Aber Aufgeben ist ja auch keine Option, also muss ich durchbeißen. Vor allem bergab plagen mich jetzt ätzende Seitenstiche, die ich ganz gut mit Yoga-Atemtechniken in den Griff bekomme. Meine Knie und mein Rücken streiken aber komplett und ich habe auf dem platschnassen Boden Angst zu rutschen und zu stürzen. Dabei verliere ich fast mehr Zeit als bergauf. „It is what it is.“ sagt Rouven immer und recht hat er.

So kämpfe ich mich weiter Meter für Meter voran und bekomme die unterhaltsamen Versorgungsstationen mit Wein und Gesang gar nicht mit. Brauche ich ja auch nicht, denn Rouven läuft ja einzig deshalb neben mir her, um mir Flüssigkeit und Carbs zu reichen und mich anzutreiben, wenn die Kräfte nachlassen.

Diese Arbeitsteilung funktioniert perfekt. Gut, dass mein Shirt tropfnass ist, denn die Finger kleben widerlich von den Carbs. Meine Beine sind ziemlich müde, als es dann nach ca. 15 km wieder runter in den Ort geht. Deshalb kann ich die ersehnte flache Strecke gar nicht mehr richtig genießen. Ich will nur noch ins Ziel. Bei km 20 entdeckt mich dann mein lieber Freund und Nachbar Marten, der allein für mich aus Köln gekommen ist, um mich auf den letzten Metern anzufeuern und eines der herausforderndsten Erlebnisse meines Lebens mit mir zu teilen. Luftküsschen verteilt und Endspurt. Rouven lässt mich jetzt alleine, läuft vor und macht die GoPro für meinen Zieleinlauf klar. Ich nehme seinen Rat an und laufe den Rest so relaxt, wie es geht. Startnummer zurecht gerückt, versucht zu lächeln und dann war da auch schon die Ziellinie. Ich habe es geschafft!

Nach etwa 10 Wochen Training bin ich etwas stolz auf mich, diese Strecke in 2:25 geschafft zu haben. Dass ich auch noch sechste in meiner Altersklasse geworden bin ist cool, wenn man diejenigen Mitstreiterinnen ausblendet, die sich den ein oder anderen Wein an den Versorgungsstationen gegönnt haben könnten und trotzdem vor mir angekommen sind. Bitches!!

Aber es ist nicht mein alleiniger Erfolg. Ohne Rouven als Coach, Motivator, Freund und laufende Versorgungsstation, hätte ich das nie geschafft. Er hat mich von der ersten Stunde an bei meiner sportlichen Entwicklung begleitet, angeleitet und vor allem begeistert. Ich habe von ihm so viel gelernt über den Sport, über Ausstattung, über den Körper, über die Kämpfe im Kopf und Grenzen, die man einhalten sollte. Danke für all das! Es bedeutet mir sehr viel! Ich mag eine gelehrige Schülerin bleiben!

Danke auch an Marten, der gespürt hat, wie wichtig dies alles für mich ist und mich im Ziel in Empfang genommen hat, um meine Freudentränen zu trocknen. Das hat mich sehr gerührt. Meine Wertschätzung und mein Dank gilt auch all den Streckenposten, Polizisten, Organisatoren und Helfern an der Strecke. Ohne diese würde ich wahrscheinlich immer noch in den Weinbergen herumirren und wäre am Ende Weinkönigin, statt Halbmarathoni geworden.

Ob ich schon ein neues Ziel habe? Und ob! Der Kölner Brückenlauf ist bereits gemeldet, der Halbmarathon in Köln geplant und mein Sportequipment freut sich über den Zuwachs einer Schwimmbrille und eines MTB. „Probier doch mal so’n Sprint-Triathlon.“, wird mir da schon zugeflüstert…

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Ahrathon – 21k als laufende Versorgungsstation für den Blitz

Am 13.6.2015 war es dann mal so weit. FlashMoBis erster richtiger Wettkampf stand vor der Tür. An dem Tag sollte es aus Eimern pissen in diesem Ahrtal. Ab Startunterlagen holen und zu meiner Überraschung gab es für die Teilnehmer nicht ne Pulle Iso sondern gleich mal die Frage: „trocken oder halbtrocken“? Klar, es gab eine Flasche Wein. Und auf der Startnummer gleich mal Coupons zum Abreissen, nactürlich wieder für Wein an den Versorgungsstationen. Für mich sollte das ja eh nur ein Trainingslauf werden aber Wein beim Rennen !? Na ich weiß ja nicht. Mit der total nervösen Monjou an den Start und easy rausgetrabt. Es pisst in Strömen, dennoch liesen die Flitzpiepen es sich nicht nehmen, die Versorgungsstellen zu einer Weinbar zu machen. Monjou und ich laufen da vorbei, da ich den Rucksack mit 3 Liter Getränken dabei hatte. Die 400hm sollten noch gabz schön kernig werden, der Blitz beisst sich tapfer durch. Der Trainingslauf sollte aber auch für mich zu einer Herausforderung werden. Ohne Carbs seit 6 Tagen und Quark mit Blaubeeren im Magen meldet sich so nach 2h der Hunger und zum Glück ist es dann nicht mehr weit. Nach 2h24min überqueren wir die Ziellinie. Super Lauf vom Blitz und obwohl es geregnet hat ein super schöner Start in das Wettkampwochenende. Das Danke sagen überlasse ich dieses Mal meiner Mitstreiterin, der ich hier nochmal Respekt zollen will. Nach nur 10 Wochen Netto Training so einen Lauf rauszuhauen und das bei Regen mit 400hm ist großer Sport. Immer dran denken: there is no finishline!

Kölner Leselauf – Mein erster Wettkampf

So, da ist er nun. Mein erster Racebericht. Gestern habe ich erstmals einen Wettkampf bestritten, den Kölner Leselauf – 10 km. Noch im Januar hätte ich mir das nicht vorstellen können, geschweige denn, in Angriff genommen. Aber dann kam mein Freund und Coach, the one and only Rubinator, auf die Idee, dass ich ein paar Dinge in meinem Leben ändern muss und swupps … ich bekam Woche für Woche einen Trainingsplan. Ziel: der Ahrathon am 13. Juni 2015, Distanz Halbmarathon.

Commitment abgegeben und losgelegt. Immer wieder musste ich pausieren, weil die Grippewelle mich dieses Jahr als Referenzobjekt ausgesucht hat, aber das hat mich nur dazu ermutigt, erst recht hart zu trainieren, sobald ich wieder genesen war.

Die Veränderung nach ein paar Trainingswochen war unglaublich. Nicht nur, dass meine Leistung sich stetig verbessert und sich der Körper rasant verändert (stramme Beine, strammer Po, eine Körbchengröße weniger), ich fing auf einmal an, mein Geld in Funktionsklamotten zu investieren, statt in High-Heels und Handtaschen.

Top ausgerüstet ging es dann gestern bei Sonnenschein zum Stadion meines Vereins. Dieses Mal nicht, um den geliebten FC Köln anzufeuern, sondern um vor dem großen Milestone Ahrathon Wettkampfluft zu schnuppern und einmal selbst angefeuert zu werden. Rouven holt mich morgens ab und ich muss leider nüchtern in den Tag starten, weil ich aufgeregt, wie ein Teenager vor dem ersten Kuss, mein Frühstück nicht bei mir behalten konnte.

Startunterlagen abholen, Atmosphäre auf der Ostkampfbahn einatmen, in der Sonne chillen, warmlaufen, Stretching und schon stand ich im Startblock. Alle Nervosität war vergessen. Dann der Startschuss und meine Beine sind bereit, das Erlernte abzuliefern. Rouven schießt maschinenmäßig an mir vorbei und ruft mir noch zu, dass ich auf meine Uhr achten soll. Ok! Mache ich.

Ruckzuck erreiche ich meinen Wettkampfpuls und spüre schnell meine Grenzen, indem ich Seitenstechen bekomme. Also mal 10 Herzschläge runter und mich dann langsamer eingrooven. Klappt! Dann laufe ich einfach nur noch ganz gleichmäßig im vorgegebenen Pulsbereich. Runde für Runde laufe ich durch und um das RheinEnergie Stadion. Vier mal an der lieben Sassy vorbei, die als Groupie für mich gekommen ist, mir ein Lächeln beim Vorbeilaufen ins Gesicht zaubert und dies fotografisch festhält. In der dritten Runde habe ich auf einmal keinen Bock mehr und will nur noch, dass es vorbei ist. Ich beiße die Zähne zusammen und verlasse mich auf meine Beine, die tapfer weiter laufen.

Just in diesem Moment läuft der Rubinator mit sensationellen 43 Minuten ins Ziel, wartet dort auf mich und läuft mit mir die letzte Runde. Das gibt mir neue Motivation und ich lege noch mal einen Zahn zu. Auf den letzten 200 Metern motiviert er mich noch, die Läuferin vor mir zu überholen. Ich gehorche und gebe Gas, überhole und laufe mit 1:00:24 ins Ziel.

Der erste Gedanke: Mist, das hätte ich auch unter einer Stunde schaffen können. Ich bin also angekommen, in der Welt der Athleten.

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