CHALLENGE WALCHSEE-KAISERWINKL 2015

Einen Tag vor meinem 39. Geburtstag sollte es dann soweit sein, meine 2. Halbdistanz stand an. Diesmal hab ich den Freitag lieber noch in München im Wirtshaus und auf der Couch verbracht. Die Anreise am Samstag ist easy gelaufen, Startnummer abholen und Bike einchecken passiert reibungslos. Am Nachmittag ein bisserl Tapering und das wars. Soweit alles unspektakulär. Am Samstag Abend hole ich noch meine OneManSupportCrew und Geheimwaffe aka Amelie vom Bahnhof Kufstein ab, spektakulär! Mit dem Wissen, dass ich mich nicht wirklich gezielt vorbereitet habe sondern dieses Jahr eher dem Freestyle-Training gehört hat bin ich weg von jeder Zielzeit saumäßig entspannt! So verbringe ich auch die Nacht ohne nervöse Toiletten-Gänge und ich schlafe wie ein Baby. Mein Support-Muckel bringt mich dann direkt nach dem Früstück zum Schwimmstart und hilft mir in den Neo. Und da kam auch der Punkt an dem ich sowas von NULL Bock auf den Scheiß hatte. „Wieso mach ich das überhaupt? 6h schinden, ich hab doch schon vor 1 Jahr bewiesen, dass ich es kann! Scheiß schwimmen“ Wenn Amelie nicht neben mir gestanden wäre um mir gut zuzureden wäre ich wohl nicht ins Wasser gestiegen.

Racebericht:

Schwimmen lief wie immer SCHEISSE aber was solls!? Ich kraule immer mehr aber schneller bin ich dadurch nicht. Obwohl ich mich nicht voll auspowere bin ich genauso schnell/langsam wie das Jahr davor in Zell. Wechseln fällt bei der Challenge echt leicht, die Wechselzone ist klein und die Wege kurz. Was noch cooler ist, die Helfer kümmern sich um meinen Beutel, schütten Ihn für mich aus helfen mir aus dem Neo und verstauen den für mich. Und schon geht es ab aufs Rad. Mal schauen ob das Aistreeem diesesmal hält was es verspricht. Ich komme gut  in Tritt, halte mich aber zurück damit es mir nicht geht wie dieses Jahr am Tegernse – am Rad ausgepowert kam ich da auf der Laufstrecke null in den Rythmus. Auf der Geraden cruise ich dahin, bergauf komme ich gut zurecht und bergab traue ich mich das erste Mal in einem Rennen Gas zu geben. 65km/h auf dem Tacho sind aber immer noch eine krasse Überwindung für mich. Nach 2:55h steige ich trotz der 300 HM mehr als in Zell (ingsesamt 1200) 20 min schneller von  meinem Rad. Ich laufe aus der Wechslezone und als ich die Uhr auf Laufen umschalte sehe ich, dass ich die Gesamtzeit gerade mal 3:45h zeigt. Mein geheimer Plan unter 6h anzukommen (also doch eine Zielzeit) scheint aufzugehen, und jetzt will ich mehr. 5:45h kann ich knacken wenn ich den HM unter 2h laufe. Trotz der fehlenden Koppeltrainings komme ich beim Laufen sofort in den Rythmus und ich laufe 5:10min auf den Kilometer. Dann kommt aber die Hitze ins Spiel. Bei 30 Grad und nun knallender Sonne kann ich die Geschwindigkeit nicht mit meinem Zielpuls halten. Bei KM 7 muss ich mich zu allem Übel auch noch übergeben. Dennoch kann ich die Kilometer locker runterspulen. Das liegt wohl daran, dass meine Amelie bei jeder Runde für ein High Five und mich anfeuernd an der Strecke steht. Gefühlt vergeht die Zeit auf der Laufstrecke wie im Flug und nach 5:44:43 laufe ich über die Ziellinie. Und jetzt weiß ich auch wieder warum ich das mache: weil ich es kann!

Jetzt ist es wieder Zeit Danke zu sagen. Danke an die Super Orga – good job Challenge! Danke an alle Streckenposten, Polizisten, Soldaten, Menschen an den Versorgungsstationen! Ohne Euch würde es echt nicht gehen. Vielen Dank an die Helferlein im Wechselzelt – ich hab mir sicher 3min gespart durch Euch. Mein größter Dank geht aber an Amelie, meine gute Fee, Fahrer, Supporter, Cheerleader, Motivator. Ohne Dich wär ich nicht gestartet, ohne Dich hätte es mir nicht so Spaß gemacht und ohne Dich hätte ich auf den Laufrunden kein Ziel gehabt.

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Sportfasten – Das verrückteste, aber effektivste das ich im Triathlon-Training je gemacht habe!

Noch nie bin ich in ein Jahr so sportlich gestartet. Im Winter gut trainiert, das Frühjahr mit einem super Trainingslager auf Teneriffa durchtrainiert und auch im Sommer nicht nachgelassen und ca. 8-12h pro Woche trainiert. Grundsätzlich habe ich mich sehr stark gefühlt. Der Triathlon-Sprint in München lief dann alles andere als gut, aber Schwamm drüber. Insgesamt ein super Jahr. So kann es weiter gehen.

Lediglich die Ernährung war mir ein Dorn im Auge. Der gefühlt hohe Bedarf an Nahrung durch das Training wurde bei mir auch durch immense Mengen an Essen befriedigt. Grundsätzlich ernähre ich mich schon immer gesund, aber die Mengen und die große Zahl an kleinen Ausnahmen haben dann doch immer mehr überhandgenommen. Hier musste eine Lösung her!

Durch Matthias, einen guten Freund und Triathlon-Freak, bin ich dann auf Sportfasten (www.sportfasten.de) aufmerksam geworden. Das Konzept hat mich direkt überzeugt: Unter Anleitung eines Coaches (in meinem Fall Stephan Nüsser, www.sndc.de) wird gefastet und dabei ordentlich Sport gemacht. Damit der Körper nicht ausgebeutet wird, werden zusätzlich Nahrungsergänzungsmittel (z. B. Aminosäuren, Magnesium, Zink, Kalzium, Omega3 etc.) zugeführt.

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Der Körper soll durch dieses Programm einen „Switch“ in Richtung Energiegewinnung aus Fettreserven machen. Das ganze kann man entweder als 10-tägigen Block oder für Sportler auch im „High Performance“-Modus in 3 x 3 Tagen über 3 Wochen machen. Unabhängig von dem Programm gibt es jeweils eine Abbauphase mit reduzierter Nahrungszufuhr, eine Fastenphase ohne feste Nahrung und eine Aufbauphase.

Mein persönliches Ziel war v. a. mir meine Essensgewohnheiten vor Augen zu führen, indem ich bewusst verzichte. Wenn dabei das ein oder andere Kilo vor den anstehenden Wettkämpfen (z. B. Olympische Distanz beim ITU World Triathlon Hamburg) verloren geht, dann werde ich mich nicht beschweren. An eine Veränderung in der Energiebereitstellung habe ich erstmal nicht geglaubt und wollte mich überraschen lassen.

Soweit zur Theorie. Hat es auch was gebracht? Die Antwort ist einfach: Oh Ja. Und wie!

Seit dem Sportfasten-Programm habe ich eine vollkommen neue Beziehung zu Nahrung. Ich koche bewusster und genieße das Essen. Seit den Fastentagen, an denen man sich nur von Saft ernährt, weiß ich wie glücklich man schon mit 150ml Orangensaft sein kann 🙂 Man muss nicht immer 200g Nudeln in sich rein schaufeln. Selbst zwischen den Blöcken war mein Bedürfnis nach Süßem (und dafür habe ich ein echtes Faible) schon deutlich geringer bzw. gar nicht mehr da.

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Mein Gewicht ist bei jedem Block deutlich gesunken und insgesamt habe ich nachhaltig > 5 kg verloren (zwischenzeitlich sogar mehr, aber es ist ein normaler Effekt, dass sich das nach Ende des Programms stabilisiert). Bei einem Ausgangsgewicht von ca. 77kg ist das eine ganze Menge.

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Vor allem beim Laufen ist mir der Gewichtsverlust wirklich zugutegekommen. Beim Triathlon in Hamburg bin ich mit 43 Minuten auf 10 km meine persönliche Bestzeit gelaufen. Auch auf der Radstrecke habe ich mit 1:04h auf 40 km beim selben Wettkampf meinen persönlichen Rekord aufgestellt. Ihr könnt euch vorstellen wie happy ich im Ziel war 🙂 Optisch hat das meinem Körper auch nicht gerade geschadet 😉

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Das Thema „Switch“ in Richtung Fettverbrennung habe ich ja anfangs in Frage gestellt. Aber auch bei der Energiebereitstellung merke ich signifikante Veränderungen. Mein Ruhepuls ist spürbar gesunken und die Ermüdung im Training tritt wesentlich später ein als sonst.

War das anstrengend?

Sportfasten ist kein Kindergarten und man muss es schon wirklich wollen. Gerade im ersten Block hängt man noch sehr an den bisherigen Gewohnheiten und sieht immer und überall Essen – und zwar richtig leckeres Essen. Da muss man sich schon durchkämpfen.

Die Sporteinheiten während der Fastentage sind auch hart. Bei mir gab es am Aufbautag jeweils eine 2-2,5h Radeinheit mit 3 x 10 Minuten GA2. Gegen Ende war mein Körper so leer wie noch nie zuvor.

Auch wenn es kein Kindergarten war, ich war doch auch sehr stolz, dass ich es wirklich durchgezogen habe und keine einzige Ausnahme gemacht habe. Und wie ihr oben lesen konntet hat es sich gelohnt.

Mein Fazit: Sportfasten – Das verrückteste, aber effektivste das ich im Triathlon-Training je gemacht habe!

Ich kann Sportfasten jedem empfehlen. Ich empfehle allerdings auch, dass das unter professioneller Betreuung gemacht wird. Wenn man schon so viel Nerven und Energie investiert, dann sollte man das wirklich zielgerichtet machen und keine Experimente wagen.

Wie geht es bei mir weiter? Wahrscheinlich werde ich mich noch für das Programm „Keep the switch“ (siehe www.sndc.de) entscheiden, da ich das aktuelle Körpergefühl gerne auf nachhaltige Beine stellen möchte.