Dobrodsosli in Kroatien – Porec Triathlon

Vorspiel:

Lang lang ist es her, dass ich mich auf eine Mitteldistanz eingelassen habe, im Oktober 2016 bin ich in Miami das letzte Mal über eine Ironman 70.3 Ziellinie gelaufen. Nach dem durchwachsenen Start in das Jahr 2017 habe ich mir für 2018 nicht viel vorgenommen.

Dennoch habe ich mich von der allgemeinen Euphorie meiner Freunde mitreißen lassen und mich für den Ironman 70.3 im Kraichgau angemeldet.

Nach Training ohne Trainingsplan und ohne wirkliches Rennen vor dem Event habe ich die Tage bis hin zu den Minuten vor dem Start keine Aussicht auf Spaß im Rennen gefunden. Ich hätte mich zwingen müssen ins Wasser zu steigen. Und wie hat ein gescheiter Mann mal zu mir gesagt: Hör in Dich rein, wir machen das zum Spaß und wenn es Dir keinen Spaß mehr macht dann kannst Du es auch sein lassen. Nach reichlicher Analyse war mir klar, dass mit einfach „rumblödeln“ im Training und ohne klaren Trainingsplan ein halber Ironman nicht anzugehen ist. Was mich am meisten davon abgehalten hat im Kraichgau ins Wasser zu gehen war das verdammte Schwimmen. Lange (über 4 Jahre) habe ich versucht mich selbst anzulügen und mir zu erklären: „lieber 45 Brustschwimmen und dabei im Wettkampf leiden als jede Woche 2 mal im Becken eine Stunde zu leiden“. Diese Lüge ist mir im Kraichgau voll auf die Füße gefallen. Ich habe meine Lehren aus dem 3.Juli 2018 gezogen und den Trainingsplan von Coach Preissl anno 2014 wieder rausgeholt. Ich habe mir ein imaginäres Ziel gesetzt, nämlich den Ironman 70.3 in Fuerteventura. Ich wollte so trainieren wie wenn in 16 Wochen mein eigentlicher Hauptwettkampf wäre. Angemeldet habe ich mich aber nicht.

Mein Commitment war, ich lerne Schwimmen um die 1900m durchkraulen zu können, und erst dann melde ich eine Mitteldistanz.

Nach Schwimmkurs und teils 4 mal die Woche schwimmen habe ich dann im Sommer das erste Mal 1900m im 50m Becken durchkraulen können. Ein Highlight! Zwar in Spielfilmlänge – aber ein Highlight.

Und zack, die Halbdistanz, mit der ich schon lange geliebäugelt hatte konnte gemeldet werden. Porec Triathlon (Fuerte war ausgebucht)

Croatia her we come.

Da war noch eine Sache, das Airstreeem spinnt wieder mal. Die Klemmung für den Lenker lässt während der Fahrt an Klemmkraft nach und der Lenker bewegt sich auf und ab.

Am Rennwochenede und dem Tapering am Bike einmal nicht aufgepasst und zack bei einem Hubbel, den ich mit dem Vorderrad erwische verdreht sich der Lenker um 5Grad.

Zu dem Zeitpunkt hatte ich noch 3h bis zum Schließen des Bike Check Ins. Damit war das Wochenende schon fast durch, das Rennen ohne Bike quasi gelaufen.

Mit meiner Support Wifey online nach Bike-Läden und Radverleih geschaut, aber Fehlanzeige. Letzter Strohhalm – der Mechaniker am Eventgelände.

Leider ist der 70km weit weg beheimatet. Doch da war noch einer der Helferlein direkt an der Wechselzone, der meinte er ruft einen an, der uns helfen könnte.

Und keine 3 min später stand der Race Director in Person vor mir, zwar 10cm kleiner als ich aber willens mir sein Rennrad zu leihen und das auch noch herholen zu lassen.

Der Wahnsinn, und er wollte nur Bier dafür 🙂 Krasse Nummer, eine Stunde später stand das Rad da. Leider nicht meine Rahmengröße aber egal, Hauptsache ich konnte das Rennen angehen.

Raceday:

Am Morgen schön mit Support Bina runter zum Meer, ach ja die Strömung aus Miami noch im Hinterkopf hatte ich großen Respekt vor dem Schwimmen.

Aber Neo und Salzwasser sollten mir da schon kräftig helfen. Noch ein Bussi von der Bina und ab ins Wasser. Dieses Mal war der Kopf so frei wie noch nie, fernab von allen Zeitvorgaben und irgendwelchem Leistungsdruck stehe ich in der Plava Laguna und freue mich schon fast aufs Schwimmen.

Das viele Kachelzählen der letzten 12 Wochen hat sich ausgezahlt und ich kann die Strecke echt durchkraulen, nur das mit der Orientierung klappt noch nicht so gut. Ich schwimme im zick-zack und ich muss zur ein paar Mal Brust schwimmen, da ich sonst die Bojen nicht sehen kann. Mit 41 Minuten steige ich mit neuer PB aus dem Wasser Yeeeeahhh ab aufs Bike von Goran.

Es geht gefühlt immer leicht bergauf und die Straßen gleichen asphaltierten Feldwegen hierzulande. Gottseidank bin ich nicht mit Airstreeem unterwegs, die Vibrationen hätten die Schrauben im Nu aus der Lenker Klemmung gewackelt.

Das Bike von Goran ist ein Stück zu klein und das merke ich ab Kilometer 50 sowohl in Beinen, Armen als auch im Rücken. Aber die Freude über den Ausblick auf die Landschaft und die Möglichkeit das Rennen zu bestreiten überwiegt. Der Zeitverlust beim bergauf Radeln ist beim bergab fahren nicht zu kompensieren. Die 35 Kurven mit „Vollbremsung“ und immer wieder Speedbumbs und schlecht Strassen kennzeichnen die Rennstrecke. Gesundheit und ein intaktes Bike gehen vor Speed und so komme ich erst nach fast 3h von der Radstrecke zurück.

Auf das Laufen habe ich mich am meisten gefreut, und ich komme in die ersten Kilometer auch echt gut rein. Meine Kilometer Zeiten pendeln sich so bei 5.20-5.30min ein und es geht dahin.

Der enge Rundkurs macht es möglich, dass ich meine Bina alle 1,5km sehe und sie mich anlügen kann: „gut schaust Du aus, da geht noch was“. Bei der Hälfte des Rennens werden die Beine echt schwer.

Die Pumpe ist noch gut in Schuss aber die Schenkel sind auf dem Bike ganz schön in Mitleidenschaft gezogen worden. Jetzt gilt es das Ding einfach nach Hause zu laufen.

Während des gesamten Rennens habe ich mir null Zeitdruck gemacht und auf der Uhr nur den Puls anzeigen lassen. Meine Laufzeit sollte der schnellste Halbmarathon und meine PB in der 5. Mitteldistanz sein und auch meine Gesamtzeit war mit 5:31h echt ganz passabel. Halbdistanz I`m back.

Mit etwas Abstand zu den Widrigkeiten dieses Jahres und des Rennwochenendes muss ich sagen, dass ich diesen Sport so großartig finde Man bekommt einfach zurück was man reinsteckt .

Wie immer mag ich hier danke sagen. DAAAANKE an Goran für das krasse Ding mit den Leih-Bike, wie sehen uns auf dem Oktoberfest. Danke liebste Bina für ein Wochenende, das ich nicht vergessen werde.

Danke an alle Helferlein und Streckenposten. Danke Petrus für das tolle Wetter.