Arberland Ultra Trail 2016

Yeah Yeahh Yeahhh seit gestern bin ich ein Ultraläufer. Aber der Reihe nach. Im Dezember 2015 habe ich mich für den Arberland Ultra Trail mit 60km und 2500hm angemeldet. Und was soll ich sagen!? Es spricht Bände, dass ich das erste mal bei einer Anmeldung die Rücktritts-Versicherung mit gebucht habe. Ich hatte den Lauf immer im Hinterkopf aber erst Ende Juli ist mir so richtig klar geworden,dass ein paar Höhenmeter im Training nicht schaden würden

VORBEREITUNG

Die Zeit wird knapp und die Wochenenden sind großteils schon verplant. Jetzt heißt es einfach so gut es geht Bergläufe ins Training einzubauen. Nach dem ITU in Hamburg geht es das erste mal hoch. Aus 600hm daheim hoch aufs Kalteck werden 14 Tage später 1100hm am Wallberg, und den Tag drauf geht es direkt nochmal hoch zur Rotwand. Alles easy auf Wanderwegen und Waldautobahnen. Im August will ich es dann mal wissen und ich laufe 2 mal den Wallberg rauf und runter, um mal zu spüren was die Höhenmeter bedeuten. Und das läuft echt gut.  Bis Mitte September schaffe ich es aber nicht mehr auf den Berg, und so steht schon die Generalprobe an. Ich hab mir mit google 35km als Strecke mit 1500hm zusammengestellt. Das haut aber so gar nicht hin, Wege sind zugewachsen und ich verlaufe mich immer wieder. Das kann ja nur besser werden.  Voll fit aber ohne wirkliche Erfahrung mit Wanderwegen und steinigen Auf/Abstiegen (ich rede nicht von Geröll sondern von Monster-Steinen) komme ich am Abend zuvor schon in Bodenmais an. Mein Hotel ist keine 50m vom Start entfernt und nach Freitags-Carboloading packe ich schön meinen Rucksack mit all den vorgegebenen Sachen. Immer wenn ich was Neues an Event vor mir hab kann ich null schlafen, und so sollte es auch in der Nacht sein. Um 5 Uhr wird das Tape angelegt und dann geht es auch schon runter zur Startaufstellung. Mein Rucksack wird kontrolliert und ich sauge die Atmosphäre auf. Dieses mal schockieren mich die Shirts von den Transalpines und 4Trails nicht. Beim RHEX war das noch anders bis ich die Shirts oft weggedrückt habe.

RENNEN

Obwohl ich lange auf diesen Punkt hingefiebert habe bin ich kaum nervös. Puls noch zweistellig gilt es jetzt einfach zu laufen. Markus Rühle würde dazu sagen. „Dann leg Dich halt hin Du Arschloch und drück die Scheiß Stange hoch“ Auch wen das hier nicht Bankdrücken ist passt die Aussage. Man muss es einfach machen. Mit dem Wissen, dass ich 35km mit 1200hm in 4h schon gelaufen bin habe ich mir in der Reihenfolge Folgendes vorgenommen:

1.) Gesund ankommen

2.) Unter 8h ankommen

Und schon geht es los. In der Mitte vom Feld laufe ich aus Bodenmais los und ich werde von einer Mitläuferin zugetextet. Das ist ganz gut, so kommt gar nicht erst die Nervosität hoch. Wie immer am Morgen spielt mein Puls verrückt und ich höre einfach auf die guten alten Knochen. Keine 2km sind durch und es geht auf den Silberberg hoch. Gerade als die Sonne rauskommt erreiche ich eine Aussichtsplattform – ein unglaublicher Blick bietet sich mir. Keine 200m weiter spielt eine Blaskapelle auf. Der Woid ist einfach der Wahnsinn. Ab jetzt geht es easy bergauf bergab und bei Kilometer 20 wartet das erste mal meine Support-Crew. Ich bekomme frisches Iso und Gels. Ich hab mir vorgenommen nur Erprobtes zu mir zu nehmen um das Risiko einer Magenverstimmung einzudämmen. Über Böbrach geht es wieder zurück nach Bodenmais. Ab dann geht es nur bergauf und das gefühlt forever. 2h sollte es dauern bis ich den Großen Arber erklimme. Auf der Höhe von Drachselsried wartet wieder die Crew und ich muss aus meinem Schuh raus. Der getapete Zeh droht zu „explodieren“. Ich trinke, nehme ein Gel und erzähle, dass es mir gut geht. Da jetzt keine Stelle mehr kommt, an der mich die Crew abfangen kann (nicht per Auto erreichbar) vereinbaren wir uns am Arbersee. Der Aufstieg auf den Kleinen und Großen Arber ist crazy, dennoch bin ich guter Dinge was mein Zeitziel angeht. Bei 3h57min überquere ich die 30km Marke – Bergfest im wahrsten Sinne des Wortes. Ich habe das Terrain voll unterschätzt. Das hat nix mehr mit Trailrunning zu tun. Das ist echtes „Bergsteigen“. Oben am Arber angekommen habe ich dann doch Zeit für ein Gipfel-Selfie. Und dann geht es bergab. „Anspruchsvoll“ haben die Veranstalter es genannt. Ja bist Du deppert!? Da geht es Kilometer weit in krasser Art bergab. Da brauchst Du fast einen Bergführer. Ich erinnere an das Ziel Nummer 1. Und um da gesund zu bleiben riskiere ich mal so gar nix und ich verdantel beim Abstieg massiv viel Zeit. So hab ich mir das nicht vorgestellt. Und das sollte nicht das letzte Mal sein, dass so ein Abstieg kommt. Runter vom Arber geht es an den Arbersee. Und was ist das? Keine Support Crew 🙁 Angeleitet von Ordnern haben die sich ins Boxhorn jagen lassen und sind schon in den Zielbereich zurück. Ich nehme am Verpflegungsstand Iso und Gel auf. Würde mein Magen das mitmachen!? Mal schauen. Pissed, dass die nicht da sind und dem Wissen um die Gefahr von Magenproblemen geht es weiter, und jetzt sind es noch 20km. Das wird hart. Und jetzt kommt  die Zeit, in der der Kopf eine Rolle beim Hochdrücken der Stange spielt. Alles tut weh. Die Pumpe ist voll da aber die Beine wollen eigentlich nicht mehr. Dennoch zwinge ich mich die Anstiege flott zu nehmen und immer wieder bergab in den Lauf-Mode zu schalten. Krass wie hart es sein kann 6min/km zu laufen. Ich drücke die Kilometer weg, Einzig der letzte Anstieg hoch zu den Rißlochwasserfällen kauft mir die Schneid ab. Wenig Wasser und kein Gel mehr im Gepäck werde ich echt langsamer und ich muss mit meinen Kräften haushalten. Zum Glück hält der Magen! Der Anstieg ist ultimative Probe für den Kopf. 3h später sollte mein Vater mich fragen ob ich je ans Aufgeben gedacht habe. Nein hab ich nicht. Eher daran wie ich noch schneller heimkomme. Crazy shit wenn Dir eh alles weh tut. Zum Bayern Spiel wollte ich auf alle Fälle im Ziel sein. Immer wieder kann ich das Gefühl des Zieleinlaufs hochholen und das hilft mir mich immer wieder zu pushen. Und jetzt geht es nur noch bergab. Nach den Wasserfällen geht es auf Waldwegen immer easy runter. Da kann ich nochmal den Swag aufdrehen und bestimmt 10 Läufer einkassieren. Und als ich aus dem Wald raus am Rand von Bodenmais ankomme wird mir klar: Ultra ist auch nur ein Wort 🙂 Aber ein GEILES wenn man sich selbst so nennen darf. Ich kämpfe mit den Gefühlen die da hochkommen, all das Training, all die Vorbereitung, Physio, Laufschule, Orga usw. Alles für den einen Punkt. Zieleinlauf in Bodenmais. Und dann ist es soweit. 8:21h später und mit mächtig Stolz und Eiern im Gepäck laufe ich in Bodenmais ein. Die 8h konnte ich wegen des Terrains nicht halten und das erste Mal bin ich trotz des gerissenen Ziels zu 100% HAPPY UND STOLZ: Ich sag es gern wieder: Das kann mir keiner nehmen.

DANKE

Danke an all die Organisatoren und Sponsoren für das geile Event. Danke an Petrus Du bist hoid doch a Bayer! Danke an all die Helfer an der Strecke, hell of a job! Danke an Inga Klingels für die Stunden an meinem Oberschenkel und die Anleitung zum Tapen. Danke an Anja Lamberty für die Laufschule. Und Last but not least but most important DAAAAANNNNKEEE an meinen Dad und meine Schwester für den Support an der Strecke. Ohne Euch geht es nicht, ein Athlet ist nur so gut wie sein Umfeld.

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