Innsbruck Alpine 42k – 18 Monate ohne Wettkampf sind vorüber

Vor einem halben Jahr hat meine Lauffreundin Julia sich für den Innsbruck Alpine 42k Bergmarathon angemeldet und ich bin direkt auf den Zug aufgesprungen. „Komm schon 1300 Höhenmeter auf 42k ist gar nicht so viel, das kann man schon mal machen“ hab ich mir so gedacht. Die letzten 18 Monate war ich zwar sportlich, aber ich habe eher nach Wohlfühlen trainiert, und mein Anzahl an gelaufenen Höhenkilometern lässt sich wohl an einer Hand abzählen. Auch Schokolade und Konsorten haben in den letzten Monaten deutliche spuren hinterlassen und mein Gewicht hält sich gerade mal bei etwas unter 100kg. Im Nachhinein eigentlich alles keine guten Voraussetzungen für ein Rennen im Berg. Aber wer wenn nicht ich würde das alles verdrängen um sich voll auf den Wettkampf freuen!? Schon im Februar hab ich ein schönes Hotel für meine Verlobte und mich gebucht und mit einem freien Freitag startet dann das Rennwochenende mit dem Weg nach Innsbruck. Organisatorisch läuft alles nach Plan, die Sonne strahlt mit meiner Support-Wifey um die Wette. Wenn da nicht noch eine Kleinigkeit wäre! Seit 3 Tagen mag meine Verdauung sich nicht beruhigen und ich habe auch am Rennwochenende immer noch Durchfall. Am Freitag muss ich den Tapering-Lauf sogar schon nach 15 Minuten abbrechen um schnellstmöglich auf die Box zu kommen. Am Raceday dann dasselbe Bild. Eigentlich sollte man als normal denkender Mitteleuropäer jetzt sagen: „hey die Sonne scheint, lass uns relaxt an die Strecke stellen, den Teilnehmern zuwinken und die Startnummer zu Hause lassen.“ Aber ein Sportler, genauer gesagt ich, kann das nicht. Letzter Ausweg: Immodium akut! Macht den Darm dicht aber eben auch den Stoffwechsel unbrauchbar. Soviel zu den Voraussetzungen.

Am Morgen des Rennens, das um 12.30 Uhr den Startschuss hören sollte kümmert sich mein Support Wifey so cool um mich. Behutsam und  unaufdringlich hilft sie mir beim Packen der Pflichtausrüstung, beim Tapen und was sonst noch so anfällt. Zu dem Zeitpunkt macht sie sich mehr Stress, damit ja alles klappt als ich.

Bina_1

Dann geht es schon los. Der Start ist nicht direkt in Innsbruck sondern am Natterer See. Wifey bringt mich dahin und wartet mit mir auf den Start. Ich hoffe bloß, dass mein Magen hält und ich finishen kann.

Start

Und los geht es. Pünktlich um 12.30 Uhr laufen wir los, und weil ich mich viel zu weit vorne in den Startblock gestellt habe lasse ich mich von der Pace der anderen Läufer mitreißen und laufe zu schnell los. Nach 5km fange ich mich selbst und komme in meiner Zone an. Die Landschaft rund um Innsbruck ist grandios und auch der Magen scheint zu halten. Bei der ersten Station, an der ich mein Support-Wifey sehe liege ich super in der Zeit. Alles läuft reibungslos und bei Bergfest Kilometer 21 liege ich mit 2h17min weit unter der Zeit, die ich für ein Sub 5h Finish benötigen würde. Die Rechnung habe ich aber leider ohne die Wirkung vom Immodium gemacht. Ab KM 25 geht es mir wie 2014 beim Marathon auf Mallorca. Alles was ich an Essen und Trinken zu mir nehme will wieder raus. Das spüre ich am ganzen Körper, jeder Schritt tut mir weh und ich denke andauernd ans Aufhören. Die Kilometer werden immer zäher und die letzten knackigen Anstiege sollten erst noch kommen. Schon vorher wusste ich, dass das Profil ab Kilometer 30 für 5 Kilometer nochmal richtig hart werden sollte. Bergauf ging es über eine Waldautobahn aber bergab dann im Zick Zack über Steine und Wurzeln. In den letzten 2,5h habe ich körperlich echt gelitten und mein Kopf hat sich schon ausgemalt wie ich alle weiteren Wettkämpfe dieses Jahr absage. Wäre meine Bina nicht an 5 Punkten gestanden um auf mich zu warten, mich zu pflegen und mich anzulügen: „gut schaust Du noch aus Spatzerl, das geht schon noch“ wäre ich sicher nicht im Ziel angekommen.

Nach ewigen 5h24min dann endlich das ersehnte Ziel. Vollkommen am Ende und mit letzter Kraft laufe ich in Innsbruck durchs Ziel. Danke lieber Gott, dass es vorbei ist. Viel Gutes kann ich dem Rennen zu diesem Zeitpunkt nicht abgewinnen. Ich habe durchgehalten und wieder viel über mich und meinen Körper gelernt. Das Erdinger Alkoholfrei schmeckt dafür umso besser.

Mit ein paar Tagen Abstand und mit Blick auf die Ergebnisliste weiß ich, dass das Terrain wohl vielen Läufern so einiges abverlangt hat. Ich bin trotz meiner Scheiss Zeit 111. von 467 Läuferinnen und Läufern geworden. Das vordere Viertel bei so einem Event zu erreichen ist für mich ein tolles Ergebnis und angesichts der Umstände auch echt überraschend.

ziel Meadaille

Jetzt ist es wieder mal an der Zeit DANKE zu sagen. Danke liebste Bina für ein tolles Wochenende. Danke liebe Organisatoren für ein tolles Rennwochenende. Danke an alle Helferlein und Bergeretter – OHNE EUCH GEHT ES NICHT. Danke an den Petrus, der an dem Wochenende ein Tiroler war.

Ich komme nächstes Jahr wieder!

 

 

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