Ironman 70.3 in Rapperswil-Jona

Die Vorbereitung mit den Wettkämpfen an der Regattastrecke (VD) und dem Triathlon in Ingolstadt (Oly) lief sehr vielversprechend.
In beiden Wettkämpfen konnte ich Bestzeit einfahren, Routine sammeln und Vertrauen ins Equipment – allem voran mein Airstreeem Super TT – gewinnen.

Vorgeplänkel:
Am Samstag erst sind meine Frau Sabina und ich in Rapperswil angereist, und nach etwas Parkplatzsuche haben wir uns ins Getümmel rund um die Ironman Messe, Startunterlagen abholen und Bike-Check Inn gestürzt.
Das Event ist echt gut organisiert, das Abholen der Unterlagen geht super schnell und keine Stunde später steht mein Bike auch schon in der Wechselzone.

Auf dem Eventgelände treffe ich auch schon den Dani und nach etwas Rumblödeln auf der Messe und einer glühenden Kreditkarte im Ironman Shop geht es dann mit meiner Bina ins Hotel.
Das Zimmer namens Blütenrausch wird seinem Namen auch so richtig gerecht 🙂 Dennoch fühlen wir uns so ca. 10km außerhalb von Rapperswil richtig wohl.
Nach einem letzten Tapering Läufchen gibt es die obligatorischen Nudeln als Abendessen.

Super entspannt packe ich meine Sachen für den Renntag und dann geht es auch schon ab ins Bett.
Ich schlafe wie ein Baby und das erste Mal vor einem Rennen weckt mich tatsächlich der Wecker.
Ich glaube die beiden Rennen als Vorbereitung in den letzten 14 Tage und das Training mit tRi.P.coaching geben mir die Sicherheit und nehmen mir fast jede Nervosität.

Easy Frühstück und schon geht es Richtung Wechselzone. Wie sichern uns einen Parkplatz auf einem Parkdeck in 10min Fußweg zur Event Area.
Da geht es auch direkt hin, Dani, Laurent und einige tRi.P.coaching Athleten treiben sich da auch noch rum. Um 7.50 Uhr schließt die Wechselzone und da ich noch 1:20h bis zu meinem Schwimmstart habe gehe ich mit Bina wieder zurück zum Auto.
Ein bisserl Warmup und Stretching um die Spannung hochzuhalten müssen dann doch sein. Jetzt kommt auch ein wenig Nervosität durch, das aber auch nur weil es gerade so richtig warm wird.

Zurück am Eventgelände hilft mir Bina noch in den Neo und dann geht es Richtung Schwimmstart, ja lecko mio ist der See kalt. Luft 30Grad See 16 Grad 🙂

Rennen:
Klar geht es mit dem Schwimmen los und da muss ich wie immer einfach durch. Ich versuche locker zu Schwimmen und mich nicht von der Kälte beeindrucken zu lassen.
Leider tue ich mich immer noch schwer mit der Orientierung und der Einschätzung wie schnell ich im Wettkampf schwimmen kann/darf/soll. Zu wenig Open Water Erfahrung mit Kraulschwimmen kommt da wieder voll durch.
Es dauert also 42Minuten bis ich wieder festen Boden unter den Füßen habe. Jetzt geht es los aufs Rad, yeahh. In der Wechselzone brauche ich etwas um aus dem Neo rauszukommen aber bei der Schwimmzeit ist das eh schon egal 🙂


Der Wechsel aufs Rad gelingt mir gut und schon geht es auf den ersten flachen 10 Kilometer Richtung der Berge und den Höhenmetern. Ich lasse Biker um Biker rechts von mir liegen. Auch am Berg komme ich gut zurecht und ich kann viele Plätze gutmachen.
Dieses Mal komme ich sogar mit der Verpflegung super klar, keine Würgereflexe beim Zuführen von Gels wie sonst immer. Bergab ist es in den Schweizer Bergen echt schön zu fahren. Wenige enge Kurven und auch keine zu steilen Abfahrten.
Getreu der Idee von Dani – bergab ausruhen ist nicht – trete ich brav in die Pedale und meine V-Max liegt bei 72kmh.

Nach 1:21h bin ich am Wendepunkt und trotz der Höhenmeter bin ich richtig flott (für meine Verhältnisse) unterwegs.

Auch in der 2. Runde sind die Beine noch frisch und ich bin gut unterwegs. Nach 2:44h erreiche ich die Wechselzone.

Der Wechsel gelingt mir sehr flott aber auf dem Weg zum Bike-Rack schlage ich mir meine große Zehe so richtig böse auf einem Bump im Boden an. Die Angst kommt auf, dass der Zeh gebrochen sein könnte. Im Wechselzelt wird durch „professionelles“ Rumdrücken am Zeh kurz geprüft ob das gut gehen könnte und ich laufe einfach mal trotz der Schmerzen los. Der Zeh tut zwar weh, spielt aber keine Rolle.
Die ersten beiden Kilometer kann ich auch bei den anvisierten 5:10min auf den Kilometer bleiben, aber schnell wird mir klar, dass ich diese Pace – der Hitze und wohl auch der flotten Radfahrt Tribut zollend – nicht halten kann.
Nach 8km auf der Laufstrecke ist es sogar soweit, dass mir kurzzeitig schwindelig wird und ich nur noch an eins Denken kann #dagegenhalten.
Im Ernst mit noch 13km to go hilft mir die letzte Email von Coach Preissl, in der er schreibt: „Wenns hinten raus hart wird: dagegenhalten!!“ und auch Florian Czada hat das in einem instagram Post nochmal als hashtag aufgegriffen.
Das sage ich mir immer wieder und mit Blick die Uhr ist das erste Mal ein Finish in 5:30h in greifbare Nähe gerückt. Ich muss also dranbleiben und #dagegenhalten. Meine Kilometerzeiten fallen wieder mal auf 5:30min und es wird so richtig zäh.


Das Leiden auf der Laufstrecke hat sich ausgezahlt, in 5h27min überquere ich überglücklich und doch gezeichnet von den Strapazen die Ziellinie. Dieses Mal nehme ich ein Bad der Gefühle das kaum in Worte zu fassen ist. Die Freude über die Zeit wechselt sich mit dem erlösenden Gefühl ab, dass ich nicht mehr weitermachen muss. Ich reiße jubelnd die Hände hoch um sie dann mit Tränen in den Augen über dem Kopf wieder zusammenzuschlagen.

Ich bin so froh, dass ich im Ziel bin, ich bin so froh über die Zeit und doch so angepisst über meine Performance beim Laufen und beim Schwimmen. Oh man crazy Kopf.

 

Nach dem Rennen bleibe ich noch in der Event Area. Nachdem ich mir meinen Sieger-Kuss von Bina abgeholt habe fährt meine große Liebe zurück ins Hotel. Ich dusche und geselle mich zu den Athleten von tRi.P.coaching. Es gilt auf die Award Ceremonies zu warten, Ralf und Silvia zu beklatschen um dann zusammen mit dem Team selbst aufs Treppechen hochzudürfen. Auch wenn ich nicht zu den 5 im Team gehöre, deren Punkte aus dem Rennen in die Wertung einfließen ist es doch ein super Gefühl in einer Mannschaft mit den ganzen Maschinen zu sein. Triclub Ranking Platz 2. Wahnsinn!!!! Ich werde von 2151 Startern „nur“ 923. Dennoch ist mein Glas halbvoll und ich bin unter den 43% der besten Finisher.

Obwohl es nun fast 3 Wochen her ist (ich schreibe erst am 19.6. den Bericht) kommen diese Gefühle wieder voll hoch. Beim Schreiben breche ich vor Freude aber auch dem Wissen über das Leiden in Tränen aus. Heute weiß ich, dass ich nicht nur Bestzeit gemacht habe. Nein, ich habe auch endlich einmal das wahr gemacht was ich immer wollte. Ankommen mit dem Wissen: 1 Minute schneller wäre nicht drin gewesen. Klar wird jetzt jeder sagen: Logo, 1min geht immer. Nein tut es nicht!

 

Jetzt heißt es Danke sagen: Ganz vorne Danke an meine Bina! Von Hol-und Bringdienst, Fotoservice, Bikini Aus-/Einblick an der Strecke bis hin zu Seele streicheln hat sie wieder einmal ganze Arbeit geleistet. Danke an alle Volunteers an der, in der und um die Strecke. Danke an Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste und an jeden, der dieses Event möglich gemacht hat. Ich komme sicher mal wieder. Last but not least: Das kann mir keiner mehr nehmen!

 

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