IRONMAN 70.3 und IRONKIDS St. Pölten 2016

Ironman 70.3 St. Pölten

Einmal mehr und zum dritten Mal steht die Halbdistanz mit 1,9km Schwimmen, 90km Radfahren und 21km auf dem Plan. Dieses Jahr schon Ende Mai und die Location sollte St. Pölten sein. Am Freitag in MUC gelandet geht es nicht direkt nach Österreich, der Umweg führt mich über Deggendorf und da packe ich meine One-Man-Support-Crew – meinen Dad – und den anderen Athleten – meinen Sohn ins Auto. Der Weg nach St. Pölten ist in 3h erledigt und schon am nächsten Morgen heißt es zum ersten Mal an diesem Wochenende: Startunterlagen holen und Bike einchecken. Aber noch nicht für mich. Der Junior startet in der AK 2006-2008 beim Ironkids Event. Da der See zu kalt ist hat er leider keine Möglichkeit seine Skills im Wasser zu zeigen und es heißt Run-Bike-Run, 400m-1700m-800m. Lenny hat null trainiert und lässt den Wettkampf easy auf sich zukommen. Ich sage ihm immer wieder, dass er Spaß haben und die Atmosphäre genießen soll. Ich bringe ihm noch die Abläufe in der Wechselzone bei und dann kann ich gar nicht so schnell schauen wie er in der Startaufstellung steht. Ein irres Gefühl, mein „Kleiner“ ist ein Ironkid. Grinsend zählt er die Sekunden runter und wie von Papa angewiesen verhaut er nicht sofort im Sprint seine Körner. Zurück in der Transition Area nach den 400m Laufen macht er seine Sache echt gut und wechselt wie ein alter Hase auf sein Mountainbike. Gefühlt braucht er ewig für die kurze Strecke aber er kommt wohlauf um die letzte Kurve, bremst brav vor der Linie zur Wechselzone und zum Glück ist der Papa da sonst wäre er mit Helm auf die abschließenden 800m Laufstrecke gelaufen. Jetzt darf er die Sau rauslassen und ich als Vollblutsportler feuere ihn nun an: „Auf geht’s Lenny gib Gas, jetzt kannst Du es laufen lassen GO GO GO!“. Und bämm geht er ab wie Schnitzel raus auf die letzte Runde. Er verbläst den einen oder anderen aus den Tri-Vereinen und ich stehe mit stolzgeschwellter Brust im Ziel. Großartig hat er das gemacht und ich bin wohl happier als er. Lenny kann kaum einschätzen was er da geleistet hat aber ohne Training und ohne Routine hat er das Weltklasse gemacht! Er wird 22. von 45 Startern und da ist viel Luft nach Oben. Ironkids Event is in the books! Gänsehaut pur für den Papa und  Medaille für den Junior! Erste Frage nach dem Rennen: „Wann darf ich wieder mitmachen“?

Jetzt heißt es den Focus auf mein Rennen zu legen und das schöne ist, dass ich den Tag vor dem Rennen immer mit Carboloading so viel Brioche Zopf essen darf wie ich mag. Ich checke mein Bike ein und an dieser Stelle gilt es in Schwärmen zu geraten was die Location in St. Pölten angeht. Das Sportzentrum Niederösterreich bietet alles was so ein Event braucht. Tausende Parkplätze, gute Zufahrtsmöglichkeiten trotz der Straßensperrungen, ein weitläufiges Areal das Platz für Messe, Transition Area usw. bietet.

In der Nacht schlafe ich gut und um kurz vor 5 Uhr geht der Wecker. Noch kurz Brioche in mich rein und dann geht es schon runter zur Transition Area. Bike gecheckt und rein in den Neo. Mein Dad und Lenny fahren nochmal zurück ins Hotel und kommen erst pünktlich zum Zieleinlauf zur Event Area zurück. Unter 6h wollte ich finishen! Schwimmen mit Landgang und 1200hm beim Radfahren vor mir wollte ich nicht unterschätzen, und erste Recht wollte ich mir keinen Druck machen. Beim Schwimmen mit Rolling Start muss ich den einzigen negativen Punkt festhalten. Für schlechte Schwimmer wie mich, die sich bei 40-45min. Schwimmzeit einordnen dauert es 40min. bis wir ins Wasser kommen. Verdammt, das hat genervt. Aber dann ab ins Wasser und Dank meiner neuen Schwimmtrainerin kann ich dieses Mal anders als in Zell oder am Walchsee viel mehr Kraulen als Brustschwimmen. Der See ist mit 14 Grad fucking kalt und man muss zwischen 2 Seen einmal ein paar hundert Meter laufen. Das tut mir gar nicht gut. Aus dem ersten See schaffe ich es nur mit Hilfe der Support Crew, weil mir von der Kälte fast schwindelig ist. Aber im zweiten See geht das dann schon. Auch meine eh schlechte Atmung leidet unter dem kalten Wasser und ich muss immer wieder auf Brustschwimmen umstellen. Mein Schwimm-Split ist wie immer scheiße aber ich komme diesmal entspannter in der Wechselzone an und meine Beine sind gar nicht mehr so schwer wie bei den bisherigen Events. Mein Dank geht hier und direkt an Babette meine Schwimme-Fee. Jetzt geht es aufs Bike, wie immer verdantel ich in der Wechselzone die Minuten aber egal, die malerische Wachau und 1200hm kommen jetzt. Mal schauen wie sehr ich das genießen kann. Keine 2km sind hinter uns dann kommt das Terrain, für das mein Super TT gemacht ist: Die Autobahn. Die crazy Ösis haben mal schnell 18km Autobahn gesperrt. Mit Kopf runter und meinem Wettkampfpuls drücke ich das Airstreeem mit knappen 40 km/h über die Strecke – ballern auf der Autobahn mal anders. Die Berge machen mir ganz schön zu schaffen und weil es genauso steil bergab geht wie es zuvor bergauf ging kann ich die an den Anstiegen verlorene Zeit nicht wieder reinfahren, weil ich auf dem Bike ab 60km/h echt die Hosen voll habe. Dennoch komme ich mit 2:58h Bikesplit wieder in der Wechselzone an. Meine Beine wollen gerade so gar nicht laufen und so krieche ich fast zum Bike-Stellplatz. Auf der Laufstrecke angekommen knallt nun die Mittagssonne auf meinen Pelz und ich habe das Gefühl ich bin mit dem Speed eines GA1 Sonntag-Morgen-Läufchens unterwegs. Die erste Kilometerzeit verrät mir aber, dass ich mit 5:15min auf den Kilometer echt gut gestartet bin. Das Tempo kann ich so nicht ganz halten aber der Lauf ist echt die Kür. Die Strecke ist echt schön und 2 Mal in den Zielbereich zu laufen und dort die Stimmung aufzusaugen ist etwas ganz besonderes. Beim Zieleinlauf habe ich weder Augen für die Kamera noch für die Zeit, ich suche auf der Tribüne meinen Junior und meinen Vater, meine erhobener Arm geht in ihre Richtung. Finishen ist so eine große Sache, wenn auch so unbedeutend 🙂 Aber im Ziel auf die Liebsten zu treffen ist für mich eine der emotionalsten Sachen, die ich erleben kann.  Und ich sage es gerne wieder: Das kann mir keiner nehmen!

Danke, danke und nochmal Danke an alle Helfer, Organisatoren, Petrus fürs Wetter und vor allem meinem Vater, der das ganze Wochenende nur in den Dienst von Lenny und mir gestellt hat. Eine bessere Betreuung kann ein Sportler sich kaum wünschen.

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Marathon Salzburg – easy Start in die Saison

Laaaaaanage ist es her, dass ich irgendwo am Start stand. Der Trainingsplan war zwar noch  ohne Intervalle aber ein 42km Trainingslauf als Wasserträger kann dann doch mal sein.  Long story short, geregnet hat es aber schön wars. Und mit einem 10kmh Schnitt kann man auch mal entspannt im Ziel ankommen 🙂 Das mit dem Wasserträger sollte sich als richtig lustig herausstellen. Ich war wegen meiner Laufgefährtin Julia in Salzburg dabei und da ich sie auf der Strecke verpflegt habe, musste sie eine 3min Zeitstrafe hinnehmen 🙂

CHALLENGE WALCHSEE-KAISERWINKL 2015

Einen Tag vor meinem 39. Geburtstag sollte es dann soweit sein, meine 2. Halbdistanz stand an. Diesmal hab ich den Freitag lieber noch in München im Wirtshaus und auf der Couch verbracht. Die Anreise am Samstag ist easy gelaufen, Startnummer abholen und Bike einchecken passiert reibungslos. Am Nachmittag ein bisserl Tapering und das wars. Soweit alles unspektakulär. Am Samstag Abend hole ich noch meine OneManSupportCrew und Geheimwaffe aka Amelie vom Bahnhof Kufstein ab, spektakulär! Mit dem Wissen, dass ich mich nicht wirklich gezielt vorbereitet habe sondern dieses Jahr eher dem Freestyle-Training gehört hat bin ich weg von jeder Zielzeit saumäßig entspannt! So verbringe ich auch die Nacht ohne nervöse Toiletten-Gänge und ich schlafe wie ein Baby. Mein Support-Muckel bringt mich dann direkt nach dem Früstück zum Schwimmstart und hilft mir in den Neo. Und da kam auch der Punkt an dem ich sowas von NULL Bock auf den Scheiß hatte. „Wieso mach ich das überhaupt? 6h schinden, ich hab doch schon vor 1 Jahr bewiesen, dass ich es kann! Scheiß schwimmen“ Wenn Amelie nicht neben mir gestanden wäre um mir gut zuzureden wäre ich wohl nicht ins Wasser gestiegen.

Racebericht:

Schwimmen lief wie immer SCHEISSE aber was solls!? Ich kraule immer mehr aber schneller bin ich dadurch nicht. Obwohl ich mich nicht voll auspowere bin ich genauso schnell/langsam wie das Jahr davor in Zell. Wechseln fällt bei der Challenge echt leicht, die Wechselzone ist klein und die Wege kurz. Was noch cooler ist, die Helfer kümmern sich um meinen Beutel, schütten Ihn für mich aus helfen mir aus dem Neo und verstauen den für mich. Und schon geht es ab aufs Rad. Mal schauen ob das Aistreeem diesesmal hält was es verspricht. Ich komme gut  in Tritt, halte mich aber zurück damit es mir nicht geht wie dieses Jahr am Tegernse – am Rad ausgepowert kam ich da auf der Laufstrecke null in den Rythmus. Auf der Geraden cruise ich dahin, bergauf komme ich gut zurecht und bergab traue ich mich das erste Mal in einem Rennen Gas zu geben. 65km/h auf dem Tacho sind aber immer noch eine krasse Überwindung für mich. Nach 2:55h steige ich trotz der 300 HM mehr als in Zell (ingsesamt 1200) 20 min schneller von  meinem Rad. Ich laufe aus der Wechslezone und als ich die Uhr auf Laufen umschalte sehe ich, dass ich die Gesamtzeit gerade mal 3:45h zeigt. Mein geheimer Plan unter 6h anzukommen (also doch eine Zielzeit) scheint aufzugehen, und jetzt will ich mehr. 5:45h kann ich knacken wenn ich den HM unter 2h laufe. Trotz der fehlenden Koppeltrainings komme ich beim Laufen sofort in den Rythmus und ich laufe 5:10min auf den Kilometer. Dann kommt aber die Hitze ins Spiel. Bei 30 Grad und nun knallender Sonne kann ich die Geschwindigkeit nicht mit meinem Zielpuls halten. Bei KM 7 muss ich mich zu allem Übel auch noch übergeben. Dennoch kann ich die Kilometer locker runterspulen. Das liegt wohl daran, dass meine Amelie bei jeder Runde für ein High Five und mich anfeuernd an der Strecke steht. Gefühlt vergeht die Zeit auf der Laufstrecke wie im Flug und nach 5:44:43 laufe ich über die Ziellinie. Und jetzt weiß ich auch wieder warum ich das mache: weil ich es kann!

Jetzt ist es wieder Zeit Danke zu sagen. Danke an die Super Orga – good job Challenge! Danke an alle Streckenposten, Polizisten, Soldaten, Menschen an den Versorgungsstationen! Ohne Euch würde es echt nicht gehen. Vielen Dank an die Helferlein im Wechselzelt – ich hab mir sicher 3min gespart durch Euch. Mein größter Dank geht aber an Amelie, meine gute Fee, Fahrer, Supporter, Cheerleader, Motivator. Ohne Dich wär ich nicht gestartet, ohne Dich hätte es mir nicht so Spaß gemacht und ohne Dich hätte ich auf den Laufrunden kein Ziel gehabt.

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Sportfasten – Das verrückteste, aber effektivste das ich im Triathlon-Training je gemacht habe!

Noch nie bin ich in ein Jahr so sportlich gestartet. Im Winter gut trainiert, das Frühjahr mit einem super Trainingslager auf Teneriffa durchtrainiert und auch im Sommer nicht nachgelassen und ca. 8-12h pro Woche trainiert. Grundsätzlich habe ich mich sehr stark gefühlt. Der Triathlon-Sprint in München lief dann alles andere als gut, aber Schwamm drüber. Insgesamt ein super Jahr. So kann es weiter gehen.

Lediglich die Ernährung war mir ein Dorn im Auge. Der gefühlt hohe Bedarf an Nahrung durch das Training wurde bei mir auch durch immense Mengen an Essen befriedigt. Grundsätzlich ernähre ich mich schon immer gesund, aber die Mengen und die große Zahl an kleinen Ausnahmen haben dann doch immer mehr überhandgenommen. Hier musste eine Lösung her!

Durch Matthias, einen guten Freund und Triathlon-Freak, bin ich dann auf Sportfasten (www.sportfasten.de) aufmerksam geworden. Das Konzept hat mich direkt überzeugt: Unter Anleitung eines Coaches (in meinem Fall Stephan Nüsser, www.sndc.de) wird gefastet und dabei ordentlich Sport gemacht. Damit der Körper nicht ausgebeutet wird, werden zusätzlich Nahrungsergänzungsmittel (z. B. Aminosäuren, Magnesium, Zink, Kalzium, Omega3 etc.) zugeführt.

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Der Körper soll durch dieses Programm einen „Switch“ in Richtung Energiegewinnung aus Fettreserven machen. Das ganze kann man entweder als 10-tägigen Block oder für Sportler auch im „High Performance“-Modus in 3 x 3 Tagen über 3 Wochen machen. Unabhängig von dem Programm gibt es jeweils eine Abbauphase mit reduzierter Nahrungszufuhr, eine Fastenphase ohne feste Nahrung und eine Aufbauphase.

Mein persönliches Ziel war v. a. mir meine Essensgewohnheiten vor Augen zu führen, indem ich bewusst verzichte. Wenn dabei das ein oder andere Kilo vor den anstehenden Wettkämpfen (z. B. Olympische Distanz beim ITU World Triathlon Hamburg) verloren geht, dann werde ich mich nicht beschweren. An eine Veränderung in der Energiebereitstellung habe ich erstmal nicht geglaubt und wollte mich überraschen lassen.

Soweit zur Theorie. Hat es auch was gebracht? Die Antwort ist einfach: Oh Ja. Und wie!

Seit dem Sportfasten-Programm habe ich eine vollkommen neue Beziehung zu Nahrung. Ich koche bewusster und genieße das Essen. Seit den Fastentagen, an denen man sich nur von Saft ernährt, weiß ich wie glücklich man schon mit 150ml Orangensaft sein kann 🙂 Man muss nicht immer 200g Nudeln in sich rein schaufeln. Selbst zwischen den Blöcken war mein Bedürfnis nach Süßem (und dafür habe ich ein echtes Faible) schon deutlich geringer bzw. gar nicht mehr da.

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Mein Gewicht ist bei jedem Block deutlich gesunken und insgesamt habe ich nachhaltig > 5 kg verloren (zwischenzeitlich sogar mehr, aber es ist ein normaler Effekt, dass sich das nach Ende des Programms stabilisiert). Bei einem Ausgangsgewicht von ca. 77kg ist das eine ganze Menge.

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Vor allem beim Laufen ist mir der Gewichtsverlust wirklich zugutegekommen. Beim Triathlon in Hamburg bin ich mit 43 Minuten auf 10 km meine persönliche Bestzeit gelaufen. Auch auf der Radstrecke habe ich mit 1:04h auf 40 km beim selben Wettkampf meinen persönlichen Rekord aufgestellt. Ihr könnt euch vorstellen wie happy ich im Ziel war 🙂 Optisch hat das meinem Körper auch nicht gerade geschadet 😉

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Das Thema „Switch“ in Richtung Fettverbrennung habe ich ja anfangs in Frage gestellt. Aber auch bei der Energiebereitstellung merke ich signifikante Veränderungen. Mein Ruhepuls ist spürbar gesunken und die Ermüdung im Training tritt wesentlich später ein als sonst.

War das anstrengend?

Sportfasten ist kein Kindergarten und man muss es schon wirklich wollen. Gerade im ersten Block hängt man noch sehr an den bisherigen Gewohnheiten und sieht immer und überall Essen – und zwar richtig leckeres Essen. Da muss man sich schon durchkämpfen.

Die Sporteinheiten während der Fastentage sind auch hart. Bei mir gab es am Aufbautag jeweils eine 2-2,5h Radeinheit mit 3 x 10 Minuten GA2. Gegen Ende war mein Körper so leer wie noch nie zuvor.

Auch wenn es kein Kindergarten war, ich war doch auch sehr stolz, dass ich es wirklich durchgezogen habe und keine einzige Ausnahme gemacht habe. Und wie ihr oben lesen konntet hat es sich gelohnt.

Mein Fazit: Sportfasten – Das verrückteste, aber effektivste das ich im Triathlon-Training je gemacht habe!

Ich kann Sportfasten jedem empfehlen. Ich empfehle allerdings auch, dass das unter professioneller Betreuung gemacht wird. Wenn man schon so viel Nerven und Energie investiert, dann sollte man das wirklich zielgerichtet machen und keine Experimente wagen.

Wie geht es bei mir weiter? Wahrscheinlich werde ich mich noch für das Programm „Keep the switch“ (siehe www.sndc.de) entscheiden, da ich das aktuelle Körpergefühl gerne auf nachhaltige Beine stellen möchte.

Trotz Höhen und Tiefen – geilstes Rennwochenende ever

ITU World Triathlon Hamburg 2015 – der Name ist Programm. Ein Riesenevent mit 10.500 Startern an 2 Tagen. Tolle Eventlocation und echt super Organisation. Am Freitag angereist und gleich mal runter an die Alster. Mit dem Blick auf das Eventgelände dann schon das erste Mal Gänsehaut! Am Samstag die Crew um Danyo getroffen und Startunterlagen geholt. Als Highlight treffe ich Sarah Schröder, die Rookie Starterin und Hauptdarstellerin aus dem Film „Wechselzeiten“. Vor ca. 1 Jahr war sie mit ihrer Story im Film hauptverantwortlich dafür, dass ich das Schwimmen und damit den Triathlon-Sport nicht aufgegeben habe.

Lecker Essen mit dem Papa und alles inkl. Hotel ist einfach nur perfekt. Ich schlafe wie ein Baby und alles läuft nach Plan. Zwei Fragezeichen wirft der Raceday aber noch auf, wird mein Sattel mit der Carbonpaste von Matthias Fackler wieder nach untern rutschen, und wie reagiert mein Körper auf den 8 Wochen Kohlehydratentzug wenn er im Rennen nur Fett zum Antreiben hat?

Sonntag Morgen, IT IS RACEDAY  pünktlich fängt das Wetter an den Hamburgstyle auszupacken und es regnet in Strömen. Mein Tief ist da NULL BOCK hab ich auf den Scheiss. Ich checke das Rad ein und gehe vom Hotel weil es so kalt ist schon im Neo zum Start.

Ab ins Wasser und mit teils Brust und weniger teils Kraul bedeutet heute Alsterwasser nicht den sonst üblichen Durstlöscher. Schwimmen läuft dennoch für meine Verhältnisse ganz gut und nach 35 Minuten geht es aus dem Wasser. Die Wechselzone ist 750m lang und der Weg dorthin zieht sich auch. Mit dem Rad raus auf die Strecke und zum Glück ist der Regen weg. Eine Frage hat sich schnell geklärt, keinen Kilometer hält der Sattel und fängt an zu rutschen. Der Frust ist irre groß und ich bin knapp davor den DNF einzuleiten. Aber ich wollte unbedingt die zweite Frage klären, und so bleibe ich bei meiner Pulsfrequenz auch wenn die Oberschenkel schnell anfangen zu brennen. So ein Dreck, das Gefi…. im Kopf hört natürlich auch nicht auf. Ich spule die Kilometer ab und freue mich die ganze Radfahrt nur aufs Laufen und das anschließende Essen im VIP Bereich. Runter vom Rad und ab auf die Laufstrecke. Das läuft echt gut. Auch wenn die Beine schon echt hart und durch sind laufe ich immer gut unter 5min/km. Mit 47 Minuten Laufzeit komme ich nach 2:46h ins Ziel und ich freue mich wie Schnitzel. Ich hab das Drama auf dem Rad weggesteckt und bewiesen, dass man auch ohne Carbs Leistung bringen kann. Wenn ich die Zeit in Hamburg mit letztes Jahr Tegernsee vergleiche habe ich mich wohl nicht verschlechtert. Klar gibt es in HH keine Höhenmeter aber mit dem Drama auf dem Rad und der irre langen Wechselzone hab ich gegen den Tegernsee wohl noch Zeit gut gemacht.

Jetzt freue ich mich auf die Bullerei, denn zur Belohnung gibt es heute mal Fleisch. Ich hoffe, dass mein Hersteller die Probleme mit dem Bike in den Griff bekommt. Denn am Walchsee und den 90km mit 1200hm kann ich es mir nicht leisten mit Scheiss Equipment unterwegs zu sein.

Mein großer Dank geht allen voran an meinen treuen Begleiter und den zweit-verfressensten ITU VIP Lounge Belagerer, meinen Vater. Er hat mich gefahren, mich betreut und mir das Wochenende zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht. Dicht darauf kommt Silvia Weihermüller, die Produzentin des Films „Wechselzeiten„. Sie hat mir den Start und den Zugang zum VIP Bereich ermöglicht, das war mein persönliches Highlight. Beim Lauf hab ich mich immer wieder mit dem Ziel „Essen in der Lounge“ motiviert und ich wusste meinen Vater immer gut aufgehoben. Weiter geht der Dank wie immer an alle Helfer an der Strecke und der gesamten Orga. Wahnsinn was ihr da auf die Beine gestellt habt. Seit gestern sagt der Bayer: „Hamburg, meine Perle! home sweet home“

Hier die harten Fakten 🙂

Platz Pl.AK Startnr. Name Staffelteilnehmer AK Swim Trans 1 Bike Trans 2 Run Ziel
1227 243 14107 » Haban, Rouven (GER) Rouven Haban MAK4 00:34:17 00:07:10 01:13:59 00:03:57 00:47:11 02:46:33 Favorit hinzufügen

Ahrathon 2015 – mein erster Halbmarathon

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Es ist kaum zu beschreiben, wie man sich fühlt, wenn man sich einer Herausforderung stellt. Zu sagen, ich mache das und mich für den Halbmarathon anzumelden, ist eine Sache. Ein ganz andere ist es dann, es auch durchzuziehen.

Am Samstag war es dann soweit. Ich sollte meinen ersten Halbmarathon laufen. Den Wecker auf 5:30 gestellt, begrüßt mich der Kölner Morgen mit Sonnenschein und Vogelgezwitscher. Ein Blick auf die am Vorabend zurechtgelegten Sachen sagt mir, dass ich an nichts anderes Denken muss, als an meine Beine, Mindset und den Rubinator abzuholen. Selbst das Frühstück behalte ich dieses mal drin.

Gut gecarboloadet (Nudeln bis zum Abwinken und eine Tafel Kinderschoki am Freitag) fahre ich los in die Südstadt und lade den Coach ein, der so sehr an mich glaubt, dass ich es fast selber mache. Ein Blick ins Regenradar zeigt uns, dass eine riesige Regenfront im Anmarsch ist. Nix Sonnenschein und Vogelgezwitscher in den Weinbergen, mault es in mir. Aber die Hoffnung stirbt ja zuletzt.

Wir kommen in Bad Neuenahr an und suchen uns die Startnummernausgabe. Vor lauter Nervosität entgeht mir die Komik bei der Frage nach „trocken oder halbtrocken“. Jetzt heißt es startklar machen, Chip und Startnummer befestigen. Dass ich Vaseline an diversen Körperteilen brauche, hätte ich allerdings gerne zu Hause gewusst. Aber warum soll der Coach nicht auch etwas Spaß haben.

Wir laufen uns warm und stehen auch schon in der Startaufstellung. Ich bin so angespannt, dass ich weder sprechen noch denken kann. Dass die GoPro dabei auf mich gerichtet ist, merke ich gar nicht und sehe erst später, wie das alles gewesen ist. HashtagRehImScheinwerferlicht. Die Aufregung steht mir regelrecht ins Gesicht geschrieben.

Der Startschuss fällt, Petrus fühlt sich angesprochen und macht die Schleusen auf. Es regnet Bindfäden und das soll auch die nächsten 2 Stunden so bleiben. Puls gecheckt und wir laufen los. Der Regen ist schnell vergessen und ich laufe steady und entspannt neben meiner lebenden Versorgungsstation.

Die ersten 5 km sind super. Ich bin gut im Tempo und freue mich. Dann der Berg. Gut, denke ich… Es muss ja irgendwann hoch in die Weinberge gehen, dann wird es geradeaus weiter gehen und irgendwann wohl wieder runter.

Ich stapfe also bergauf und mein Puls kommt ganz schön in Wallung. Macht mir aber nix, denn das war ja wie erwartet. 10 Minuten nach oben gekämpft und der Puls kommt schnell wieder runter. Der Regen hat mittlerweile meine Klamotten komplett durchdrungen und sorgt für angenehme Kühlung, wenn auch für bleischwere Schuhe und Socken.

Gerade richte ich mich auf ein gutes Tempo für die vermeintliche Strecke in der Geraden ein, da geht es schon wieder hoch. WTF??? Na gut, also noch mal hoch. Es regnet immer stärker. Meine Beine sind fit und stellen sich dem Berg. Oben angekommen wieder Erleichterung und Vorfreude auf die entspanntere Strecke. Entspannung und das heimliche Zeitziel sind mir an diesem Tag nicht vergönnt. Es geht noch weitere vier mal kernig bergauf!

Bei jedem Anstieg bekomme ich stummes Tourette und mir wird immer klarer, dass ich die Strecke total unterschätzt habe. Aber Aufgeben ist ja auch keine Option, also muss ich durchbeißen. Vor allem bergab plagen mich jetzt ätzende Seitenstiche, die ich ganz gut mit Yoga-Atemtechniken in den Griff bekomme. Meine Knie und mein Rücken streiken aber komplett und ich habe auf dem platschnassen Boden Angst zu rutschen und zu stürzen. Dabei verliere ich fast mehr Zeit als bergauf. „It is what it is.“ sagt Rouven immer und recht hat er.

So kämpfe ich mich weiter Meter für Meter voran und bekomme die unterhaltsamen Versorgungsstationen mit Wein und Gesang gar nicht mit. Brauche ich ja auch nicht, denn Rouven läuft ja einzig deshalb neben mir her, um mir Flüssigkeit und Carbs zu reichen und mich anzutreiben, wenn die Kräfte nachlassen.

Diese Arbeitsteilung funktioniert perfekt. Gut, dass mein Shirt tropfnass ist, denn die Finger kleben widerlich von den Carbs. Meine Beine sind ziemlich müde, als es dann nach ca. 15 km wieder runter in den Ort geht. Deshalb kann ich die ersehnte flache Strecke gar nicht mehr richtig genießen. Ich will nur noch ins Ziel. Bei km 20 entdeckt mich dann mein lieber Freund und Nachbar Marten, der allein für mich aus Köln gekommen ist, um mich auf den letzten Metern anzufeuern und eines der herausforderndsten Erlebnisse meines Lebens mit mir zu teilen. Luftküsschen verteilt und Endspurt. Rouven lässt mich jetzt alleine, läuft vor und macht die GoPro für meinen Zieleinlauf klar. Ich nehme seinen Rat an und laufe den Rest so relaxt, wie es geht. Startnummer zurecht gerückt, versucht zu lächeln und dann war da auch schon die Ziellinie. Ich habe es geschafft!

Nach etwa 10 Wochen Training bin ich etwas stolz auf mich, diese Strecke in 2:25 geschafft zu haben. Dass ich auch noch sechste in meiner Altersklasse geworden bin ist cool, wenn man diejenigen Mitstreiterinnen ausblendet, die sich den ein oder anderen Wein an den Versorgungsstationen gegönnt haben könnten und trotzdem vor mir angekommen sind. Bitches!!

Aber es ist nicht mein alleiniger Erfolg. Ohne Rouven als Coach, Motivator, Freund und laufende Versorgungsstation, hätte ich das nie geschafft. Er hat mich von der ersten Stunde an bei meiner sportlichen Entwicklung begleitet, angeleitet und vor allem begeistert. Ich habe von ihm so viel gelernt über den Sport, über Ausstattung, über den Körper, über die Kämpfe im Kopf und Grenzen, die man einhalten sollte. Danke für all das! Es bedeutet mir sehr viel! Ich mag eine gelehrige Schülerin bleiben!

Danke auch an Marten, der gespürt hat, wie wichtig dies alles für mich ist und mich im Ziel in Empfang genommen hat, um meine Freudentränen zu trocknen. Das hat mich sehr gerührt. Meine Wertschätzung und mein Dank gilt auch all den Streckenposten, Polizisten, Organisatoren und Helfern an der Strecke. Ohne diese würde ich wahrscheinlich immer noch in den Weinbergen herumirren und wäre am Ende Weinkönigin, statt Halbmarathoni geworden.

Ob ich schon ein neues Ziel habe? Und ob! Der Kölner Brückenlauf ist bereits gemeldet, der Halbmarathon in Köln geplant und mein Sportequipment freut sich über den Zuwachs einer Schwimmbrille und eines MTB. „Probier doch mal so’n Sprint-Triathlon.“, wird mir da schon zugeflüstert…

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Rund um Köln Radrennen

Am Sonntag und direkt nach dem Ahraton hab ich mich mit einer Kollegin zu einem Radrennen eingefunden. Das erste Rennen auf dem Rennrad und das schön rum um Kölle. Geiles Event mit toller Landschaft im Bergischen! Rauf auf den Schlossberg von Bensberg war es gefühlt wie bei der Tour de France. Viele Leute und coole Stimmung. 68km easy geradelt und jetzt hab ich Lust auf mehr. Rennradfahren fängt an mir voll Spass zu machen.

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Ahrathon – 21k als laufende Versorgungsstation für den Blitz

Am 13.6.2015 war es dann mal so weit. FlashMoBis erster richtiger Wettkampf stand vor der Tür. An dem Tag sollte es aus Eimern pissen in diesem Ahrtal. Ab Startunterlagen holen und zu meiner Überraschung gab es für die Teilnehmer nicht ne Pulle Iso sondern gleich mal die Frage: „trocken oder halbtrocken“? Klar, es gab eine Flasche Wein. Und auf der Startnummer gleich mal Coupons zum Abreissen, nactürlich wieder für Wein an den Versorgungsstationen. Für mich sollte das ja eh nur ein Trainingslauf werden aber Wein beim Rennen !? Na ich weiß ja nicht. Mit der total nervösen Monjou an den Start und easy rausgetrabt. Es pisst in Strömen, dennoch liesen die Flitzpiepen es sich nicht nehmen, die Versorgungsstellen zu einer Weinbar zu machen. Monjou und ich laufen da vorbei, da ich den Rucksack mit 3 Liter Getränken dabei hatte. Die 400hm sollten noch gabz schön kernig werden, der Blitz beisst sich tapfer durch. Der Trainingslauf sollte aber auch für mich zu einer Herausforderung werden. Ohne Carbs seit 6 Tagen und Quark mit Blaubeeren im Magen meldet sich so nach 2h der Hunger und zum Glück ist es dann nicht mehr weit. Nach 2h24min überqueren wir die Ziellinie. Super Lauf vom Blitz und obwohl es geregnet hat ein super schöner Start in das Wettkampwochenende. Das Danke sagen überlasse ich dieses Mal meiner Mitstreiterin, der ich hier nochmal Respekt zollen will. Nach nur 10 Wochen Netto Training so einen Lauf rauszuhauen und das bei Regen mit 400hm ist großer Sport. Immer dran denken: there is no finishline!

Rheinsteig Extremlauf – 1200hm und 35km im Siebengebirge

Und da war es mal wieder Sonntag. Nein, Raceday wollte ich es nicht nennen. Drum hab ich die Woche über auch normal trainiert und am Samstag war ich in Koblenz noch mit den Guides von Canyon auf einer 3h Tour in der Eiffel auf dem Rennrad unterwegs. Am Sonntag Morgen in Bonn angekommen wurde mir in einer Tunrhalle, dem Venue des Events so einiges klar. Da liefen Leute mit Finisher Shirts von 120km Läufen und dem Gore Trans Alpine rum. Eine Maschine nach der Anderen. Ich mitten drin, und ab dann auch im festen Glauben, dass ich da nix zu suchen habe. Da hab ich das erste mal Schiss bekommen. Was ein Trainingsläufchen sein sollte bäumte sich gerade als richtiger Extremlauf vor mir auf. Rucksack um und voller Respekt und Nervosität raus an den Start. Auf der rechten Rheinseite von Bonn ging es 2km durch urbanes Gelände. Das erste Highlight lies nicht lange auf sich warten. Einer der Anwohner spielte auf seiner Posaune: we are the champions. Erstes Mal Gänsehaut. Die Strecke führte über die ersten kleinen Anstiege dann hoch auf den Petersberg. Es folgen 2 weitere kleine Berge mit Geiersberg und Drachenfels. Der Ausblick da oben ist der Wahnsinn, aber lange kann ich das nicht genießen, denn ich hab die 4h Zielzeit im Blick, und ich will mich nicht mit Selfies oder Panorama aufhalten. Ich bin im bayrischen Wald das Hoch und Runter ja gewohnt aber im Wettkampf ist das gerade bergab nochmal eine ganz andere Hausnummer. Ich beschließe den Berg runter das zu machen was ich bisher nur im Trail Magazin gelesen habe. Lange Schritte und schnell da runter. Am Berg werde ich von den Leichtgewichten oft eingeholt aber bergab drücke ich so machen Bergkönig weg! Das bezahle ich mit brennenden Oberschenkeln und tellergroßen Blasen. Der längste und steilste Anstieg hoch auf die Löwenburg lag noch vor mir, und bei KM 21 zeigt mir mein Körper auch schon meine Grenzen. Jetzt heisst es Körner einteilen und aufi aufn Berg! Das macht mir voll Spass. Die Abwechslung zwischen rauf und runter ist echt krass, ich muss mich immer wieder neu eingrooven. Aber gerade das macht es auch sehr kurzweilig. Beim vorletzten, sehr langen Abstieg lass ich so manche vermeintliche Maschine aus der Turnhalle hinter mir. Dennoch weiß ich, dass die nächsten 10km hart werden. Die Pumpe läuft gut aber die Muckis wollen nimmer so mitmachen. Nach dem letzten Aufstieg hoch zum Himmerich mache ich den Fehler, dass ich 2 Becher Cola und einen Becher ISO trinke. Der Magen macht Randale und zwingt mich den Speed rauszunehmen. Mein Plan den Swag für die letzten paar Kilometer nochmal aufzudrehen  ist damit Geschichte. Dennoch laufe ich die kommenden Kilometer im Stakkato herunter. Bei dem Gedanken das Ding nach Hause zu schaukeln bekomme ich ein paar mal wieder Gänsehaut. Das Gefühl sowas zu machen und auch zu können ist schwer zu beschreiben. Und auch wenn der Sieger schon 90min im Ziel rumhängt und sich einen Sonnenbrand am Würstlstand zuzieht: 35km und 1200hm kann mir wieder mal keiner mehr nehmen. Nach 4h05min  komme ich überglücklich  im Ziel an. Das war eine echt geile Erfahrung. Hart aber geil.

Jetzt heißt wieder Danke zu sagen. Das erste Danke geht an meine Beine, gut gemacht! Danke an alle Organisatoren, Streckenposten, Polizisten und Verpfleger. Last but not least Danke an den Supportmuckel FlashMoBi für den Chaffeurservice. Ohne Euch geht es nicht!